In einer Zeit, in der vermehrt mobil, orts- und zeitunabhängig gelernt wird, bekommt der Videoeinsatz in der Lehre eine wachsende Bedeutung. Viele Hochschulen, Universitäten und Bildungseinrichtungen begannen in den letzten Jahren, Medienportale für den Lehrbetrieb einzusetzen. 

An mancher Institution ist der Fokus mehr auf Öffentlichkeitsarbeit gelegt, andere verwenden die Portale für Lehrvideos (eLectures) oder mischen beide Verwendungsmöglichkeiten auf einem Portal. Im ersten Teil dieser Blog-Reihe zu Medienportalen werden Sinnhaftigkeit, Unterschiede zu kommerziellen Portalen und technische Lösungen diskutiert. Im zweiten Teil wird es um inhaltliche Aspekte, wie konkrete Einsatzszenarien oder Urheberrecht gehen. Alle vorgestellten Lösungen sind für eine nähere Recherche der Lösungen verlinkt.

Was ist eigentlich ein medienportal?

In einfachen Worten gesprochen, ist ein Medienportal eine Webseite, auf der Filme oder andere Medien abgespielt werden. Hierzu wird ein CMS (Content Management System) benötigt, welches die Möglichkeit bietet, multimediale Inhalte hochzuladen, einzubinden und abzuspielen (zu streamen). In Verbindung mit ergänzenden Lernnmaterialien (Lernmodule, Texte, Kurse usw.) können Lernende die Inhalte selbständig, im eigenen Tempo und ohne Raum- oder Zeitfestlegung erarbeiten. Beim Einsatz moderner didaktischer Modelle (wie z.B. dem Inverted Classroom Model) spielen mediale Umsetzungen von Lerninhalten /-szenarien eine zentrale Rolle. Es bietet umfangreiche Potenziale zum Lehren und Lernen mit digitalen Medien, der Außendarstellung und internen Kommunikationsprozessen.

Ein eigenes Medien- oder Videoportal wird für Kommunikation und Kollaboration, Media Asset Management und eLearning eingesetzt. Im Zusammenspiel mit bestehenden Lösungen/ CMS-Systemen übernimmt eine solche Software das komplette Handling rund um multimedialen Content. Die Programmierung und kontinuierliche Weiterentwicklung solcher Systeme übersteigt in der Regel die Möglichkeiten einer Hochschule, weshalb die Anschaffung eines externen Produktes sinnvoll sein kann.

Was bringt ein EIGENES Medienportal?

Beim Einsatz von digitalen Lehr- / Lernformen ist die Technik eine Hürde. Nicht jedes System erklärt sich auf den ersten Blick und oft fehlen Hilfestellungen. Wenn nun multimediale Inhalte aufgrund einer ungünstigen Rechnerkonfiguration nicht abspielbar sind, kann die Motivation des Lernenden dahin sein. Beim Einsatz von Videos in CMS oder LMS wird oft nur eine Flashdatei hochgeladen und in einem einfachen Player eingebunden. Hat der Lernende keinen aktuellen Flashplayer, wird das Video nicht abgespielt und es setzt Frustration statt Begeisterung ein.

Somit sind die technische Sicherstellung der Lauffähigkeit des Systems und der enthaltenen Medien, sowie die Vermeidung technischer Unsicherheiten oder eingeschränkter Funktionsfähigkeit erste Gründe für den Einsatz eines Medienportals. Die Möglichkeit des Streaming mehrerer Medienformate ermöglicht es Nutzern die Medien mit unterschiedlichen Rechnerkonfigurationen anzuschauen. Die Nutzung reiner Downloadportale erscheint in der heutigen Zeit nicht geeignet und nicht jeder Bildungsanbieter will, dass die Inhalte heruntergeladen werden können.

Darüber hinaus ergibt sich ein Nutzen für die Öffentlichkeitsarbeit der Einrichtung. Auf dem Portal können Videos zur Werbung hochgeladen und in einem CMS verwendet werden. Der zielgerichtete Einsatz von öffentlichen Lehrvideos zeigt, dass sich die Einrichtung mit neuen Medien beschäftigt. Berücksichtigt werden muss, dass nicht jede Institution ein eigenes Medienportal benötigt. Für viele Anwendungsfälle mag YouTube ausreichen oder durch seine öffentliche Wirkung gar besser geeignet sein. 

Für den zielgerichteten Einsatz ist eine gründliche inhaltliche Planung notwendig: Kategorien, Channels, Nutzer- und Rollenkonzept, sowie Communityfunktionen, institutionelle Anbindung und weitere Dinge müssen geklärt sein.

Warum nicht einfach YouTube nutzen?

Die Unterschiede zur Nutzung von YouTube und Co. sind auf den ersten Blick nicht zu erkennen. Schenken wir YouTube beim Upload auf deren Plattform vielerlei Nutzungsrechte an den Medien, bleiben beim Betrieb eines eigenen Portals alle Rechte bei der Einrichtung selbst. So können Bildungsinhalte zielgerichtet an Lernende adressiert werden, ohne dabei maßgebliche Rechte an externe Anbieter abzutreten.

Wenn das eigene Rechenzentrum oder der Webhoster die Voraussetzungen zum Betrieb eines solchen Systems erfüllen, bietet das eigene Portal viele Freiheiten. Die Systemvoraussetzungen betreffen vor allem ausreichenden Speicherplatz für die Medien; bei eigener Codierung einen leistungsstarker Server mit FFmpeg-Unterstützung; PHP, MySQL-Datenbank-Zugang; sowie eine Domain für das Portal.

Softwareprodukte

An eine Software für ein Medienportal bestehen demzufolge besondere Anforderungen. Bestenfalls sollte die Anwendung die Mediendateien auf dem eigenen Server codieren (über FFmpeg), Schnittstellen für vor Ort vorliegende IT-Strukturen bieten (z.B. LADP, Singe-Sign-On, Analytics usw.) und die Einbindung in andere Systeme (LMS/CMS) ermöglichen.

Es existieren zahlreiche Lösungen für Medienportale, doch nicht jede erfüllt tatsächlich die genannten Voraussetzungen. Da Systeme für den eLearning-Einsatz zudem ständige technische Anpassungen und Weiterentwicklungen benötigen, ist der Markt der Anbieter in diesem Bereich recht überschaubar. Die folgende Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, da im US-Amerikanischen Markt sicher noch andere Lösungen entwickelt werden.

Betrieb auf einem CMS

Die einfachste Form eines Medienportals besteht im Betrieb auf einem handelsüblichen Content-Management-System, wie Joomla, Wordpress, Typo3 oder anderen. Die Funktionalität wird durch die Einbindung eines Videoplayer-PlugIns, wie z.B. jwplayer oder der HD Video Extension, realisiert. Dabei ist die oben genannte Problematik gegeben, dass bestimmte Formate von einer Rechnerkonfiguration nicht abgespielt werden.

Eine manuelle Bereitstellung von Medien, wie es von zahlreichen Einrichtungen (wie z.B. Uni Freiburg oder Uni Frankfurt) gemacht wird, ist sehr aufwändig. Eine automatische Kodierung unterschiedlicher Medienformate erscheint sinnvoll.

VShare, PHPmelody

Im Niedrigpreisniveau angesiedelt, machen die Beispiele dieser Anbieter anfangs einen guten Eindruck. Bei näherem Hinschauen wird klar, dass der Server die Videos nicht selbst codiert. Damit bleiben PHPmelody, VShare und weitere dieser Lösungen nur Content-Management-Systeme mit eingebauten Video-Erweiterungen, aber ohne großen Mehrwert.

PHPmotion

Eine freie Lösung mit enprechenden Funktionsumfang stellt PHPmotion dar. Die Software kann kostenlos genutzt werden und zeigt, was ein Medienportal leisten soll. Dabei funktionieren die meisten Dinge sehr gut, allerdings sind die mitgelieferten Templates nicht sehr ansprechend gestaltet. Anpassungen an den Templates können selbverständlich vorgenommen werden.

ClipShare

Mit geringen Preisen lockt auch ClipShare und bietet gute Template-Vorlagen und eine solide technische Basis. Im Detail konnte diese Lösung aber noch nicht getestet werden.

MediaMosa

Eine Open-Source-Lösung die länger auf dem Markt ist, stellt MediaMosa oder MediaSalsa dar. Seit Dezember 2013 gab es allerdings keine neue Version mehr. Die Features, welche auf der Webseite beschrieben werden, machen einen guten Eindruck: Streaming in verschiedene Formate, Unterstützung vieler Medienarten und Open Source unter einer GPLv2 Lizenz.

Tele Task 

Eine scheinbar eigenentwickelte, ansprechende Lösung findet sich am Hasso-Plattner-Institut. TeleTask scheint eine interessante Mischform zu sein. Wie hoch dabei Aufwand und Kosten waren, ist auf den ersten Blick nicht zu erkennen.

Vidplanet Premium Video Portal Cms

Beim Vidplanet Premium Video Portal CMS werden Videos hierbei nur von YouTube oder Vimeo eingebunden, eigene Videos sollen im HTML5-Format abgespielt werden können. Erste Tests lieferten hier allerdings noch keine zufriedenstellenden Ergebnisse, das HTML5-Feature scheint in diesem System noch nicht sehr ausgereift.

ViMP (früher OSTube)

Die Software ViMP wird von zahlreichen namhaften Unternehmen, sowie vielen Hochschulen und Universitäten betrieben. Die ViMP GmbH bietet dabei eine exzellente Gesamtlösung für ein Medienportal, zusätzliche eLearning-Features sind schon länger angekündigt. 

Ein zielgerichteter Einsatz (Freigabeoptionen, Nutzerkonzepten und Anbindung an Verzeichnisdienste wie LDAP) bedingt jedoch die Anschaffung der Corporate Lizenz, welche abhängig von Größe und Nutzern der Institution, einige Kosten verursachen kann. Nicht vernachlässigt werden, sollten auch Kosten für Updates und Support, welche für bestimmte Zeiträume erworben werden können.

PRESSPLAY

Bei Pressplay bekommt man ein ansprechendes All-Inclusive-Paket mit allen üblichen Funktionen, wie Social Media, Tagging, Kategorien und Nutzerverwaltung. Dabei will Pressplay aber ausdrücklich Videoportal sein und blendet andere Medien auf den ersten Blick aus. Die Preise für die Einrichtung könnten im Bildungsbereich etwas happig sein, jedoch bleibt zu sagen: die Lösung gefällt optisch und technisch sehr gut!

Digizuite

Digizuite der dänischen Firma House & Co. sieht ebenfalls nach einer ansprechenden Lösung für Medienportale aus. Leider war auf der Seite nicht ersichtlich, wie viel das Ganze kosten würde. 

Office 365 Video

Setzt eine Einrichtung das Intranet-System Microsoft Sharepoint ein, kann auch die Nutzung des neuen Office 365 Video interessant sein. Ich habe diese Option noch nicht abschließend testen können, auf der Seite Acontech findet sich aber ein gutes How-To.

Ähnliche Features versprechen auch angepasste Lösungen durch Agenturen, welche für Bildungseinrichtungen meist zu kostenintensiv sein mögen. So kommt die viamedici Mediawall optisch überzeugend daher, doch bleibt auch nach Anfrage unklar, wie die Lösung realisiert wurde und wie hoch in Etwa die Kosten sind.

Darüber hinaus existieren größere hardwarebasierte Lösungen für Vorlesungsaufzeichnungen, wie Opencast Matterhorn. Bei solchen voll- oder teilautomatisierten Aufzeichnungssystemen werden Daten per Knopfdruck auf den entsprechenden Server gesendet. Die Darstellung der Medien erfolgt dann in einem eigenen Videoportal, wie bei Opencast Matterhorn das LF-Portal.

Mit diesem ersten Teil haben Sie einen Einblick in die Welt der Medien- und Videoportale erhalten. Wenn Sie Anregungen und Ideen haben, verfassen Sie einen Kommentar und lassen Sie uns diskutieren!


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